Der Künstler, den ich beim letzten Mal gesucht und der so eine große Wandlung in
seinem Leben vollzogen hat, ist Lucio Fontana (1899 – 1968). Wie ich schon bei der
Beschreibung seines Lebens geschrieben habe gehört er von seinem Geburtsjahr eher
in die Reihe der Künstler der ‚klassischen Moderne‘ – das hat mich wirklich erstaunt.
Die Kunst, mit der er schließlich berühmt wurde, stammt aus der Zeit nach dem zwei-
ten Weltkrieg, und so hatte ich ihn viel jünger eingeschätzt.
Dass er sich als junger Mann dem Faschismus zuwandte und sogar Mitglied einer
Kampftruppe wurde, war mir auch völlig unbekannt. Sicher haben ihm diese Bezie-
hungen auch dabei geholfen, an attraktive Aufträge zu kommen. Die Skulptur, mit der
er den faschistischen Sieg feierte, wurde denn auch in der Tat auf der Biennale von Ve-
nedig gezeigt. Besonders skurril ist für mich, dass das Hauptquartier der mailänder Fa-
schisten mit dem Basrelief, das den ‚Schrein der faschistischen Märtyrer‘ darstellt,
nach Ende des zweiten Weltkriegs zur Carabinieri Station umgewidmet wurde.
Es wird unterschiedlich diskutiert, ob er sich schon in den dreißiger Jahren von der fa-
schistischen Politik und dieser Art Kunst abwandte. Einerseits schloss er sich schon in
Paris einer Gruppe abstrakter Künstler an – ich dachte, dass das ein Zeichen dafür sei,
dass er sich von seiner Vergangenheit lösen wollte.
Dann aber schrieb mir Jürgen Erdelkamp, dass es in der ZEIT Nr. 39/2024 die Rezen-
sion einer Ausstellung e gab, aus der hervorgeht, dass er auch im Alter noch große
Sympathien für faschistische Ideen hatte.
Wie auch immer – künstlerisch betrat er neuen Boden. So schrieb er: „Das Werk sollte
allein aus der Vorstellungskraft des Betrachters wirken, indem es von aller malerischen
und propagandistischen Rhetorik befreit werden sollte.“
In gewisser Hinsicht kann man sagen, dass er die Kunst wirklich auf den Boden zu-
rückführte. Ein wichtiges Merkmal in der Malerei ist etwa die ‚Darstellung von Raum‘ –
und da macht Fontana etwas ganz revolutionäres – statt etwa mit Hilfe von Perspek-
tive Raum illusionistisch darzustellen, schafft er wirklich ‚Raum‘. Indem er mit einem
Messer in eine Leinwand hineinschneidet, so entsteht ‚Raum‘ tatsächlich. Es gibt ein
wirkliches und nicht ein vorgetäuschtes ‚Vorn und Hinten‘, man könnte nicht nur in
die Leinwand hineinschauen, man könnte sogar in sie hineingreifen (was denn im Mu-
seum aber doch vermutlich für erhebliche Irritationen sorgen würde). Der Künstler
nennt dieses Konzept ‚concetto spaziale – also ‚Raumkonzept.
Ich füge hier keine Abbildung einer solchen Arbeit zu – da der Künstler noch keine
siebzig Jahre tot ist, könnte es Schwierigkeiten geben, und die will ich mit ersparen. Im
Netz kann man aber ohne weiteres viele Abbildungen finden in vielen Museen für mo-
derne Kunst … so unter anderem auch im Sprengel Museum Hannover gibt’s Originale
zu sehen.
Gewonnen hat dieses Mal due Nummer30 und da steht Henning Obloch – lieber Hen-
ning … lass uns telefonieren, wie wir das mit der Übergabe machen.

