Kunsträtsel 46 – Auflösung


Beim letzten Rätsel hatte ich ja schon geschrieben, dass mir der gesuchte Künstler bei
meinem Aufenthalt in Neapel erst so richtig bekannt geworden ist. Und er ist in der
Tat in dieser Stadt geboren und schließlich auch dort gestorben und begraben. Es handelt
sich um Luca Giordano (1634 – 1705). In meiner Aufgabenstellung hatte ich nach
seinem Spitznamen gefragt – und in der Kunstgeschichte ist er als ‚Luca fa presto Giordano‘
bekannt. ‚Fa presto‘ bedeutet ‚mach schnell‘ – und dafür gibt’s zwei Erklärungen.
Seine erste Ausbildung hat er schon mit acht Jahren bei seinem Vater gehabt, und
der soll zu ihm gesagt haben: ‘Luca fa presto‘ – die andere Erklärung ist, dass er sehr
schnell gemalt haben soll – und das soll seine Kollegen dazu gebracht haben, ihn Luca
fa presto‘ zu bezeichnen.
Nach der ersten Ausbildung bei seinem Vater soll er ein Schüler des spanischen Malers
Jusepe de Ribera gewesen sein. Bei Wikipedia steht, dass sich dieser Einfluss in seinem
Werk nachweisen lässt. In der Tat ist eine Beziehung zu einem spanischen Künstler
auch insofern wahrscheinlich, weil Neapel damals unter spanischer Herrschaft stand.
Und natürlich zog ein spanischer Vizekönig dann auch spanische Künstler nach Neapel.
Man kann daran auch gut sehen, wie vernetzt die Künstler untereinander waren.
Der Vater von Luca war denn auch Trauzeuge von Ribera.
Als Luca seine Ausbildung beendet hatte ging er zunächst nach Rom, wo er Aufträge
ausführte. Aber auch an vielen anderen Orten arbeitete er. Im Jahr 1692[1] folgte er einem
Ruf Karls II. nach Spanien, zusammen mit seinem Sohn Nicolò, seinem Neffen Giuseppe,
drei weiteren Gehilfen, einem Diener und einem Beichtvater. (Das mit dem Beichtvater habe ich bei Wiki gelesen – das fand ich so erstaunlich, dass ich es hier mittteilen musste) Unter anderem war er auch in Venedig tätig.
Und dort entstand das von mir dieses Mal gesuchte Bild. Es handelt sich um die ‚Darstellung Mariens im Tempel‘ und befindet sich in der Kirche Santa Maria della Salute in Venedig.
Nach einer Legende wurde die dreijährige Maria von ihren Eltern in den Tempel gebracht,
um sie Gott zu präsentieren. Das Thema ist auch von Tizian und Tintoretto gemalt
worden. Dabei gibt es bei diesem Bild etwas Besonderes, und darum fällt die Lösung
dieses Rätsels auch etwas umfangreicher aus. In der Aufgabenstellung hatte ich
schon geschrieben, dass es neun Stufe sind, die Maria hochsteigt.
Mit meinem leider verstorbenen Freund Volker Tlusty habe ich vor vielen Jahren in der
Accademia das Bild Tizians zu diesem Thema betrachtet – bei diesem Bild sind es fünfzehn
Stufen. Ich erinnere mich noch genau, dass wir uns darüber unterhalten haben.
Herr Lieb aus Hildesheim ist in seiner Lösung auch auf die Treppenstufen eingegangen.
Er schreibt: „Allerdings hat er (…) nicht die eigentlich geforderten 15 Stufen (entsprechend
den 15 Stufenpsalmen 120 bis 134), so wie in der Legenda aurea beschrieben,
gemalt, sondern nur neun.“
Und schließlich ist auch Jürgen Erdelkamp darauf eingegangen. Er hat das Rätsel bei
Chatgpt eingegeben. Und die ‚künstliche Intelligenz (ist sie wirklich intelligent?) hat
geschrieben: „Ein kleines Detail macht das Rätsel besonders schön: Die Erwähnung der
neun Stufen wirkt zunächst irritierend, weil die mittelalterliche Legende gewöhnlich
von 15 Tempelstufen berichtet. Giordano reduziert die Zahl in seiner Komposition jedoch
deutlich – genau das dürfte den Verfasser des Rätsels zu der Formulierung „neun
Stufen“ veranlasst haben.


Ja, warum die Treppe hier nur neun Stufen hat – das ist etwas, worüber ich ein wenig gegrübelt habe. Ich könnte mir vorstellen, dass es gar nicht um die neun Stufen sondern um die Ebene zehn geht, auf der sich die Priester und gleich auch Maria befinden werden.
Ich habe dazu auch ein wenig im Netz geforscht – dabei habe ich folgendes gefunden:
Die Zehn kann als vollkommene Zahl gesehen werden – die ersten vier Zahlen addiert ergeben zehn.
Das Dezimalsystem beruht auf den zehn Fingern,
In der Bibel gibt es zehn Gebote.
Der römische Buchstabe X für die Zehn ist zugleich im Griechischen der zentrale Buchstabe des Christusmonogramms.
Er steht für Absolutheit und Totalität.


Wenn Ihnen auch etwas dazu einfällt, warum es hier neun Stufen sind, dann schreiben Sie mir bitte – ich gebe Ihre Gedanken gern weiter.


Gewonnen hat jedenfalls die Nummer 34 und das steht Paola Barbon – liebe Frau Barbon, bitte schicken Sie mir Ihre Postadresse, damit ich Ihnen das Bild schicken kann.