Kunsträtsel 42


Nach dem Ausflug in die unmittelbare Kunstgegenwart fliegen wir nun wieder zurück
ins 16. Jahrhundert. Bei dem dieses Mal gesuchten Künstler handelt es sich wieder
einmal um ein Universalgenie. Den meisten Kunstfreundinnen und -freunden ist er
als ‚erster Kunsthistoriker‘ oder ‚Vater der Kunstgeschichte‘ bekannt – er hat in der
Tat in einem umfangreichen Werk die aus seiner Sicht wichtigsten Künstler – dabei
auch eine Künstlerin – beschrieben. Das allein hat ihn unvergesslich gemacht. Auch
Begriffe wie ‚Gotik‘, ‚Renaissance‘ oder ‚Manierismus‘ sollen direkt oder indirekt auf
ihn zurückgehen. Dazu gründete er die erste Lehranstalt für angehende Künstler –
man kann also sagen, dass alle heutigen Kunstakademien auf ihn zurückgehen.
Neben seiner Tätigkeit als Kunstvermittler und geschickter Organisator war er in zwei
Disziplinen überaus produktiv. So arbeitete er als Maler und vor allem als
herausragender Architekt. Im Auftrag von Institutionen und Herrschern seiner Zeit hat
er Kirchen, Villen und öffentliche Gebäude projektiert und gebaut.
Als Maler fand ich ihn nie so herausragend – er hat viele Tafelbilder und Fresken
gemalt, aber ich mochte sie nie. Das ist alles sehr ordentlich und technisch gut
gemacht, aber ein Funke sprang bei mir nicht rüber. Da haben Zeitgenossen von ihm
wesentlich brillantere Bilder hinterlassen, die mich auch heute noch packen.
Beim Anschauen verschiedener Bilder von ihm musste ich diese erste Einschätzung
aber doch etwas relativieren. Auf einem Bild sieht man einen älteren Mann in einem
eleganten Obergewand und als Zeichen seiner Stellung einer langen Kette – aber
dieser Mann schaut kein bisschen triumphierend aus dem Bild heraus. Es handelt
sich um sein Selbstportrait. Trotz der hohen Stellung, die er zu dieser Zeit sicher
hatte, wirkt er traurig und resigniert. Dieses Bild hat mich doch berührt.
Aber in der Architektur hat er bei einigen Bauten völlig neue Maßstäbe gesetzt. Das
gilt besonders für das dieses Mal gesuchte Werk – es handelt sich um ein Gebäude.
Im Auftrag eines Herrschers hat er ein Büro- und Verwaltungsgebäude entworfen,
das noch heute jeden Tag von sehr vielen Menschen besucht wird – ich könnte mir
vorstellen, dass auch Sie schon darin waren. Allerdings werden dort auch schon
lange keine Büroarbeiten mehr ausgeführt.
Das Gebäude besteht aus zwei sehr langen und verhältnismäßig schmalen
Bauteilen, die am Ende durch eine Loggia miteinander verbunden sind. Eine große
Besonderheit dieser Architektur ist nun der Zwischenraum zwischen den beiden
langen Bauteilen – er ist so schmal, dass er in der Wahrnehmung wie eine Art
Innenraum erscheint. Damit ist in der Tat etwas ganz Neues in die Architektur
eingeführt worden. Das Nichts, der Leerraum wird von den Betrachtern als das ‚auch
Gemeinte‘ erlebt. Dieses Bauwerk wird daher auch als herausragend manieristisch
angesehen.
Wer ist der Autor, Maler und Architekt? Um welches Gebäude handelt es sich – und
was zieht heute viele Menschen dorthin?
Und vielleicht noch: Wie sehen Sie sein Selbstbildnis?

Zu gewinnen gibt es dieses Mal eine Zeichnung, die ich in Bologna in der Nähe der
Via Zamboni gemacht habe.

Viel Spaß beim Rätseln … und ich würde mich wieder über Kommentare freuen.