Kunsträtsel / Rätselkunst Drei

In diesem Rätsel geht es um einen Künstler der Moderne. Er war in seiner Zeit außerordentlich radikal – zusammen mit seinen Künstlerfreunden distanzierte er sich heftig von aller alten Kunst. Tatsächlich wollten die Mitglieder dieser Gruppe die Museen am liebsten stürmen und alles niederreißen, was alt war. Der Begründer der Gruppe – er war kein bildender Künstler sondern Jurist und Dichter – schrieb unter anderem in einem Manifest:

 „Wir erklären, daß sich die Herrlichkeit der Welt um eine neue Schönheit bereichert hat: die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen … ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake.“

Auch viele bildende Künstler schlossen sich dieser Bewegung an, und wenn heute darüber gesprochen wird, denken die meisten von uns sicher vor allem an sie. Man kann die radikale Ablehnung aller alten Kunst vermutlich nur nachvollziehen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die jungen italienischen Künstler förmlich von großer alter Kunst  umzingelt waren. Der wichtigste von ihnen, der auch das gesuchte Bild gemalt hat, wandte sich ebenfalls in einem  Manifest: gegen den „fanatischen, unverantwortlichen und snobistischen Kult der Vergangenheit“.

Heute hängt dieses Bild aber selbst im Museum (übrigens in Hannover) und wird dort von Kunstfreunden bewundert. Tatsächlich wird es zusammen mit anderen aus seiner Zeit der ‚klassischen Moderne‘ zugerechnet. Daran kann man gut sehen, wie eine in ihrer Zeit radikale Auffassung mit den Jahren selbst ‚klassisch‘ wird.

Auf dem quadratischen Bild sieht man im Vordergrund etwa in der Mitte eine in unterschiedlichen Blautönen und wenigen gelben Einsprengseln gemalte Frau von hinten. Ihr Kopf befindet sich genau im Zentrum. Die Frau steht auf einem Balkon, neigt sich leicht nach vorn und schaut auf das Getümmel unter ihr. Außer ihr gibt es noch rechts und links zwei weitere Frauen, die auf Balkonen stehen – sie sind allerdings viel kleiner und so erst bei genauerem Hinsehen zu erkennen. Alle drei schauen auf  Männer herab, die weit unten in einer Baugrube mit langen Stangen ein Gerüst, vermutlich für den Bau eines neuen Hauses errichten. Dort unten ist die Farbigkeit auch am intensivsten, rote, gelbe und wenige blaue Farben sind dort kleinteilig zusammengefügt.

Umrahmt wird dieser mittlere Teil von den überwiegend rot, violett und blau gemalten Häusern. Nach vorn zum Betrachter hin werden die Farbtöne intensiver. Nur das Gebäude im hinteren Bereich mit dem Platz davor ist hell gemalt.

Die umstehenden Häuser, die oben bis fast zum Bildrand reichen, neigen sich zur Mitte hin.

Rechts und links sind sie in kubische Formen aufgelöst – sie sehen zersplittert aus, und gelbe, spitzige Formen schieben sich in sie und in die Frau. Tatsächlich kann man sagen, dass die Frau förmlich von dem, was vor, neben und unter ihr geschieht, durchdrungen wird.

Und der Maler wollte genau das zeigen. Das Leben in der modernen Stadt ist dadurch charakterisiert, dass  der ganze Lärm der Straße, die Bewegungen und die Gegenständlichkeit der Dinge draußen plötzlich in die Wohnung eindringen. Der Mensch der Moderne ist so Teil des Getümmels draußen.

Der Titel des Bildes ist schon sehr treffend –  wie heißt der Maler und wie wird die ganze Kunstrichtung genannt? Für Spezialisten – wer war der Gründer der Gruppe?

Auflösungen bitte an kunst@dik-hannover.de

Aus den richtigen Lösungen wird wieder eine Gewinnerin oder ein Gewinner ermittelt – der Preis ist dieses Mal die Ansicht von Arco des heiligen Dominikus

Rainer Grimm


Zu gewinnen bei der Verlosung: Zeichnung von Dr. Rainer Grimm „Arco di San Domenico“ in Bologna